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06 | 02 | 2012
Digitaler Richtfunk in Bitterfeld-Wolfen: modernste Technik für eine junge Stadt

Bei der Fusion mehrerer Städte und Gemeinden zur neuen Stadt Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt war die Verbindung zweier Verwaltungs-Hauptstandorte die größte Herausforderung bei der Strukturierung der IT. pdv-systeme Sachsen konnte diese Aufgabe durch eine kostengünstige, breitbandige und hochverfügbare Richtfunkverbindung erfolgreich umgesetzen.

Richtfunk: 90-cm-Spiegel und Outdoor-Units auf dem Rathaus-DachWenn sich die Strukturen bei Behörden, Einrichtungen oder Unternehmen ändern, dann muss zwangsläufig die IT-Infrastruktur angepasst werden, damit Informations- und Kommunikationsprozesse bestmöglich erfasst werden und dabei die Kosten im optimalen Verhältnis zum Nutzen stehen. Dies geschieht regelmäßig bei Verwaltungsreformen wie z.B. bei der Fusion mehrerer Städte und Gemeinden zu einer neuen, größeren Stadt. Ergebnis einer solchen Reform war im Sommer 2007 der Zusammenschluss der Städte Bitterfeld und Wolfen gemeinsam mit den Gemeinden Greppin, Holzweißig und Thalheim zur nunmehrigen Stadt Bitterfeld-Wolfen.

Neben vielen anderen Prozessen galt es, die Informations- und Kommunikationsabläufe neu zu ordnen. Die Tatsache, dass es nach der Fusion zwei Verwaltungs-Hauptstandorte geben würde, sollte die tägliche Arbeit der Angestellten nicht erschweren, und auch auf die Dienstleistungen für die Bürger durfte es keine negativen Auswirkungen haben. Entsprechend intensiv wurden bereits viele Monate zuvor die bestehenden IT-Infrastrukturen analysiert und die neue Struktur vorbereitet. Von Beginn an war die pdv-systeme Sachsen an der Lösung dieser Aufgabe beteiligt; in gemeinsamer konzentrierter Arbeit wurde die Konzeption bis zum Mai 2007 fertig gestellt.

Dabei ergaben sich mehrere Aufgaben: zum einen sollte eine Konzeption zur IT-Fusion erarbeitet werden, aus der hervorging, an welchem der beiden Hauptstandorte künftig welche IT-Ressourcen angesiedelt sein sollten. Und zum anderen galt es, eine wirtschaftliche Lösung für eine leistungsfähige datentechnische Verbindung der beiden Standorte zu finden. Die Art und Qualität dieser Datendirektverbindung war Dreh- und Angelpunkt der Konzeption; Mindestforderungen waren zwei zueinander redundante Kanäle und eine gebündelte Bandbreite von mindestens 100 Megabit pro Sekunde, sowie Schnittstellen für die Kopplung der Telefonanlagen. Und das Ganze sollte mittel- und langfristig wirtschaftlich, sprich: bezahlbar sein.

Der Auftraggeber favorisierte zwei prinzipielle Lösungsmöglichkeiten: eine leitungsgebundene permanente Datendirektverbindung oder eine solche über Richtfunk. Letzteres war grundsätzlich aufgrund der relativ geringen Distanz von ca. 8 km möglich. Schon mit der anschließenden öffentlichen Ausschreibung, die beide Lösungsmöglichkeiten offen ließ, zeichneten sich bei den Kosten signifikante Unterschiede zwischen beiden Varianten ab. Bei der Kalkulation durch pdv-systeme Sachsen war nach einer Zeitspanne von 36 Monaten die Richtfunkvariante 30 Prozent kostengünstiger als die leitungsgebundene Verbindung, bei 60 Monaten Laufzeit ergab sich die Preis-Schere noch deutlicher. Nach gründlicher Prüfung fiel die Entscheidung zugunsten der Richtfunk-Lösung, pdv-systeme Sachsen erhielt im Juni 2007 den Auftrag zur Realisierung bis Mitte September 2007.

Die Umsetzung

Bei direkter optischer Sichtverbindung könnten die Standorte bis zu 40 km voneinander entfernt sein. Da diese Sichtverbindung zwischen den beiden Verwaltungsstandorte nicht gegeben war, musste in Wolfen ein Umlenkpunkt als Relaisstation gefunden werden. Als optimal erwies sich ein Hochhaus der Wohnungsbaugesellschaft Wolfen, auf dessen Dach schon Mobilfunkanbieter ihre Antennen errichtet hatten. Das bedeutete, dass zwei quasi in Reihe geschaltete Richtfunkstrecken errichtet werden mussten, mit entsprechender Technik im erwähnten Hochhaus.

Zusätzlich war die Datenverbindung durch redundante Auslegung gegen Ausfälle einzelner Teile der Anlage abzusichern. Deswegen ist jede der beiden Richtfunkstrecken selbst doppelt vorhanden, insgesamt besteht die Konfiguration also aus vier einzelnen Richtfunkstrecken: Jede einzelne Strecke hat eine Übertragungskapazität von 70 Megabit pro Sekunde, so dass bei Bündelung der zwei parallelen Kanäle eine Gesamtkapazität der Verbindung von 140 Megabit pro Sekunde erreicht wird (was deutlich mehr ist als die Forderung des Nutzers von 100 Mbit/s). Die zwei parallelen Strecken sind zwischen ihren Fast-Ethernet-Schnittstellen vollkommen transparent, wie etwa ein Glasfaserkabel, und zudem unabhängig voneinander. Lediglich die Antennen (Parabolspiegel) werden gemeinsam genutzt.

Der Redundanzmechanismus und die Bündelung der Bandbreite erfolgen beidseitig in nachgeschalteten LAN-Switches über Link-Aggregation mit LACP-Protokoll. Fällt einer der Kanäle aus, dann übernimmt der verbleibende den gesamten Datenverkehr, allerdings bei reduzierter Bandbreite von nur noch 70 Mbit/s. Diese Konfiguration stellt sicher, dass die Datenverbindung Bitterfeld-Wolfen beim Ausfall einzelner Teile der Anlage fehlertolerant und damit hochverfügbar ist. Es ist für den Nutzer daher nicht notwendig, teure Serviceverträge mit kurzen Reaktionszeiten abzuschließen. Die ersparten Kosten erhöhen nochmals die Wirtschaftlichkeit der gewählten Lösung.

Zusätzlich wird künftig auch sämtlicher Telefonverkehr zwischen den beiden Verwaltungsstandorten über die Richtfunkstrecke übertragen. Unabhängig von den beiden Übertragungskanälen für Daten verfügt die Konfiguration noch über vier E1-Kanäle zur redundanten Kopplung der beiden Telefonanlagen. Somit gehen alle Telefonate zwischen den Verwaltungsstandorten Bitterfeld und Wolfen nicht mehr über das Netz des TK-Anbieters, sondern es sind kostengünstige hausinterne Gespräche.

Die technischen Komponenten und Wartungsleistungen werden im konkreten Fall über ein Mietmodell mit 36 Monaten Laufzeit finanziert, Optionen auf eine Verlängerung bestehen. Lediglich die Kosten für aufwendige Befestigungsteile und die nötigen baulichen Leistungen mussten als Einmalinvestition aufgebracht werden. Die Errichtung und Inbetriebnahme der gesamten Anlage erfolgte durch pdv-systeme Sachsen in enger Zusammenarbeit mit dem Richtfunk-Spezialisten Omnitron Griese GmbH sowie mehreren ortansässigen Handwerksunternehmen. Nach erfolgreichem Testbetrieb und nachgewiesener Funktionsfähigkeit wurde sie am 7. November 2007 offiziell an den Bürgermeister Dr. Werner Rauball übergeben.

Wir haben zwar eine beträchtliche Summe in diese Lösung investiert, werden aber langfristig Kosten sparen “ und das bei sehr viel höherer Datenübertragungskapazität als bisher, so der Bürgermeister. Netzwerkadministrator Ralf Salomon ergänzte: Ob der Server einer bestimmten Fachanwendung der Verwaltung in Bitterfeld oder in Wolfen steht, das merkt der Anwender nicht. Die Antwortzeiten sind in jedem Falle kurz genug. Das zeigt, dass die Bandbreite der Richtfunkverbindung ausreichend bemessen ist.

Anfangs gab es viele Skeptiker zur Richtfunk-Lösung. Dr. Rauball erinnert sich: Manche sagten: das wird nie funktionieren, wir werden nur Probleme haben. Die Praxis nach Inbetriebnahme belegt das genaue Gegenteil: die vorgestellte technische Lösung ist ein Modellfall für eine kostengünstige breitbandige und dabei hochverfügbare Datendirektverbindung.